Arnold Schwarzenegger eröffnet das "Schwarzenegger Museum" in Thal bei Graz

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Arnold Schwarzenegger eröffnet das "Schwarzenegger Museum" in Thal bei Graz

vor 12 Jahren

"Engerl ist er offenbar keines", sinniert eine Schaulustige auf dem Weg zum Museum. Wenn Himmelsboten reisen, sollte laut Volksmund ja eigentlich die Sonne scheinen. Stattdessen: strömender Regen über Thal bei Graz. Donnergrollen. Ungemütliche Kälte. Pfarrer Karl Niederer glaubt dennoch, Spuren von Göttlichem entdeckt zu haben. „Ein Wunder deiner Gnade", schickt er Dankesworte gen grauen Himmel, während er die kurz davor enthüllte überlebensgroße Statue eines Muskelbergs vor sich segnet. Dann bricht endgültig Chaos aus.
Es sind bizarre Szenen, die sich an diesem Freitagvormittag rund um das 1806 erbaute Geburtshaus von Arnold Schwarzenegger abspielen. Eine Hundertschaft an Fans und Festaktbesuchern ist gekommen, um den am Vortag angereisten Hollywoodstar mit steirischen Wurzeln in seinem Heimatort zu empfangen. Schon zwei Stunden vor dem offiziellen Start des Festakts herrscht in den engen Gassen auf der kleinen Anhöhe über dem Thalersee ein mittelgroßes Verkehrschaos. Unter Vordächern und in Garagen spielt sich die örtliche Blaskapelle warm, Autogrammjäger reißen sich um die besten Plätze vor der Eingangstür zum „Schwarzenegger-Museum". Im kleinen Garten hat sich ein Halbkreis aus TV-Kamera-, Mikrofon- und Fotoapparatbedienungspersonal rund um eine noch unter einer schmucklosen laubgrünen Plastikplane versteckte Skulptur gebildet. Galgenhumor ob der unwirtlichen Arbeitsbedingungen macht sich breit. Auch die Partyzelte haben den Herbstwindböen in der Nacht nicht standgehalten und hängen unbrauchbar über den ebenfalls zur Nutzlosigkeit verdammten Bierbänken. Peter Urdl, Museumsmastermind, Schwarzenegger-Intimus und Ex-Bürgermeister, zieht tröstend eine Zwischenbilanz: „Wir stecken alle a bissl in einem Chaos."
Warten ist angesagt. In Branco Krk, aus Celje (Slowenien) angereister Arnie-Fan, wächst die Ungeduld. Nervös ordnet er seine selbst gemalten Bilder. Es ist ein wildes Gemisch aus Motiven -- Panzer, Frauen, Motorräder, Porträts von Schwarzenegger, Zeichentrickfiguren, meist Acryl auf Karton -- das der Selfmade-Künstler bereitgelegt hat, um es seinem Idol zu überreichen. Trotz anlassgerechter Montur -- dunkle Sonnenbrille, „Hasta la vista"-T-Shirt, darüber eine schwere Lederjacke, deren Rückenmalerei den Träger als Mitglied des „Terminator"-Motorradklubs outet -- wird Krk kein Glück haben. Seine Mission endet eine Stunde und ein paar TV-Interviews später am verschlossenen Hintereingang des Museums. Auch ein anderer Freak, der mit Sturzhelm und einer mit Patronenhülsen und künstlichen Rostapplikationen „verschönerten" Ledermontur immer wieder durch die Kulisse stolpert, wird sein Idol zwar aus der Nähe sehen -- aber nicht mehr. Selbst die Mädchen, die Arnolds smarten Sohn Patrick als Ziel ihrer Begierde auserkoren haben, bleiben für ihr Gekreische unbelohnt.
Mehr Glück hat da der Bundeskanzler. Werner Faymann tauscht an diesem Vormittag Rettungsschirmdebatte in Wien gegen Regenschirmetappe in Thal bei Graz und klebt sich an die Seite Schwarzeneggers. Der zeigt ihm das Museum samt bereitgestelltem Apfelstrudel. Gerüchte, das kurios anmutende Kurzgastspiel des Kanzlers sei Vorleistung für eine zukünftige Zusammenarbeit mit Schwarzenegger, machen die Runde. „Ich bin gespannt, was nach drei Weltkarrieren im Bodybuilding, Film und Politik seine vierte Karriere bringt", lobt Faymann später und gibt den Spekulationen neuen Nährstoff.
Schwarzenegger selbst reüssiert als staatstragender Lebensberater. Neben der Geburt seiner Kinder und der Hochzeit mit Maria Shriver sei das „ein sehr bedeutender Moment". Es gehe nicht nur darum, das Museum zu sehen, „sondern auch zu begreifen, dass jeder erfolgreich sein kann" -- wenn er nur hungrig danach bliebe. „Stay hungry", rät der „Terminator". Für ihn sei das Museum „ein Symbol des Willens, dass jeder eine Chance im Leben hat". Persönlicher Erfolg habe nichts „mit Schulterklopfen von Barack Obama oder Filmpremieren, sondern mit dem Erreichen der persönlichen Ziele" zu tun. Für ihn ist es eine Stunde später der Flughafen. Es geht weiter nach Madrid.