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WASSERSCHLOSS - Vom "festen Haus zu Prunn" zum Wasserschloß Kottingbrunn

Gräberfunde aus der Zeit der Kelten (3 Jh. v.Chr.) und der Völkerwanderung (4.Jh.n.Chr.) beweisen, daß Kottingbrunn ein uraltes Siedlungsgebiet ist.

Die Stiftung des "festen Hauses zu Prunn" durch die Babenberger dürfte spätestens Anfang der 2.Hälfte des 11.Jh. erfolgt sein. Die erste schriftliche Erwähnung von "Prunn" erfolgte im Jahr 1114 (Besitzer "Anselmus des Prunne").

Die Wasserburg Kottingbrunn, in seinen Anfängen ein Holzbau, wurde genau dort errichtet, wo der Schotterrücken des Lindenberges in der Ebene endet und das Grundwasser in zahlreichen Quellen zutage tritt. So war es Belagerern nicht möglich, der Wehranlage das schützende Wasser abzugraben.

1146 zerstörten die eingefallenen Ungarn unter König Geza II die Holzburg. Um das Jahr 1150 wurde die Festung als Mauerburg wiedererrichtet. Im Jahre 1291 oder 1295, beim Aufstand des österreichischen Adels gegen Herzog Albrecht vom Habsburger, wurde die Burg neuerlich schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Mit dem Kauf der Burg durch Ulrich und Wentel Stuchse wurde der Besitz beträchtlich vergrößert.

1355 wurde Kottingbrunn zur selbständigen Pfarre.

Im Kriege Kaiser Friedrich III. gegen den Ungarkönig Mathius Corvinus (1477-1485), wurde der Ort und die Wasserburg zerstört. 1508 konnte der Wiederaufbau der Burg abgeschlossen werden. Die schwer befestigte und gut ausgerüstete Wasserburg widerstand dem Türkensturm im Jahr 1529.

Graf Franz Sigmund von Lamberg erkannte 1683, daß er die Burg nicht gegen den neuerlichen Türkenansturm halten konnte und zog sich mit dem größten Teil der Bevölkerung zurück. Die Burg wurde von den Türken niedergebrannt, die Verluste an Menschen aber war gering. Anstelle der zerstörten Festung wurde von ihm ein repräsentativer Herrensitz in Form eines Jagdschlosses errichtet.

1894 hat der Jockey-Club Schloß und Gut Kottingbrunn erworben und eine Pferderennbahn errichtet. 1915 fiel die Kaisertribüne - ein Holzbau - bei Spenglerarbeiten einem Brand zum Opfer. An einen Wiederaufbau inmitten der Kriegswirren war nicht zu denken und nach dem Krieg bestand an einer weiteren großen Rennbahn neben der Freudenau kein Bedarf.

1981 wurde das Schloß von der Familie Jezek erworben und in liebevoller Kleinarbeit restauriert.

Am 4. September 1991 beschloß der Gemeinde den Ankauf des Wasserschlosses. 1995 wird auch der Schneider Trakt erworben, das Schloß langsam saniert.

SCHLOSSKAPELLE

In der Zeit des Marktgrafen Adalbert (1018 - 1055) wurde die Wasserburg Brunn Mitte des 11. Jahrhunderts errichtet. Diese in Holzbauweise erbaute Festung wurde nach der Schlacht an der Fischa, im Jahre 1146 von den Ungarn zerstört. Ob bereits damals in dem Holzbauwerk eine Kapelle vorhanden war, ist nicht bekannt. Herzog Heinrich II. ließ die Burg um das Jahr 1150 als Massivbau wieder errichten, wobei an der Südseite dieses Neubaues eine dem Hl. Nikolaus geweihte Kapelle eingerichtet wurde. Die Burg wurde in den Jahren 1291 und 1295 bei der Revolte des österreichischen Adels gegen den Herzog Albrecht I. von den Habsburgern zerstört.

Im Jahre 1327 kauften die Brüder Ulrich und Gaitmar - die Stuchse von Bruck - die Wasserburg um 181 Pfund "Wiener Pfennige". Unter ihrer Herrschaft wurde der Wirtschaftshof errichtet und eine neue Zufahrt geschaffen. So konnte die alte Zufahrt zum Hauptgebäude aufgelassen und zur Erweiterung des Haupthauses verbaut werden. Unter anderem wurde die bisher nach Osten orientierte Kapelle nach Süden wesentlich vergrößert und dazu eine Sakristei errichtet. Wann der Zubau errichtet wurde, blieb vorerst ein Rätsel. Erst als es im Zuge der Renovierung der Kapelle im Sommer 1997 gelungen ist, das stark beschädigte Wappen unter den Oratorienfenstern als jenes der Häusler zu erkennen, konnte nach dem genauen Studium der Familiengeschichte der Stuchse von Brunn und der Urkunden aus den Jahren 1355, 1356, 1357 und 1365 festgestellt werden, daß der Umbau im Jahre 1364 erfolgte. Warum in der Kapelle das Wappen der Häusler angebracht wurde, ist wie folgt zu erklären:

Ulrich, der Stuchs von Brunn hatte Wentel, die Häuslerin zur Frau genommen. Wentel stammte aus einem Rittergeschlecht, war aber sehr begütert. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Hans I und Machart II. Nach der Urkunde vom 8. Jänner 1355 waren Ulrich und sein Bruder Gaitmar damals bereits verstorben. Wentel und ihre beiden Söhne wurden in der Urkunde vom 6. Dezember 1355 als Besitzer von Brunn genannt.

Im Jahre 1356 ging Wentel eine Ehe mit Wolfger den Bayer ein. Wolfger muß aber schon zu Beginn des Jahres 1357 gestorben sein, denn in den Urkunden vom August und 11. November 1357 wird Hans I. als Herr von Brunn bezeichnet. Dem zur Folge muß auch damals sein Bruder Machart II. bereits tot gewesen sein. Die Urkunde vom 21. Januar 1365 besagt, daß Wentel die alleinige Besitzerin von Brunn war. Der Tod ihres Sohnes Hans I. wird im Stammbaum der Stuchse im Jahre 1364 angegeben. In der Urkunde vom 21. Januar 1365 wird als Pfarrer in Brunn ein "Herr Paul" genannt. In diesem Dokument stiftet Wentel für die Pfarrkirche ein ewiges Licht und einen "Jahrtag nach Martini". An diesem Tag soll in der Kirche eine hl. Messe gelesen werden. In einer weiteren Urkunde aus 1365 stiftet sie hundert Messen, die in der Schloßkapelle gelesen werden sollten, und zwar jedes Jahr eine, am Tag des Hl. Nikolaus. Folglich muß der Umbau der Kapelle im Jänner dieses Jahres bereits abgeschlossen worden sein, und da alle ihre Angehörigen nicht mehr lebten, blieb ihr gar keine andere Wahl als ihr altes Familienwappen - das der Häusler - nach dem Umbau in der Kapelle anzubringen. Bezahlt hat sie die Arbeiten aus ihrer Mitgift zu ihrer Ehe mit Ulrich IV.

Alle weiteren Wappenbilder in der Kapelle sind Allianzwappen von Familien, die zur wesentlichen Erhaltung und Gestaltung dieses Bauwerkes beigetragen haben. Auf der linken Seite unterhalb des Fensters befindet sich das Wappen der Kienburger und Kreuzer. Gandolf von Kienburg und seine Frau Cordula Kreuzerin haben die Burg und die Kapelle nach der Zerstörung durch die Ungarn in den Jahren 1508 und 1509 wieder aufgebaut.

Das Bild über dem Eingang zur Sakristei zeigt das Wappen des Grafen Hans Franz von Lamberg und seiner Gemahlin Maria Konstantia von Questenberg mit der Inschrift "Renoviert 1665". Im Jahre 1661 kaufte Hans Franz von Lamberg Kottingbrunn, die Geldgeberin dazu war seine Gemahlin, die Gräfin von Questenberg. Schließlich befindet sich am Hochaltar das Allianzwappen des Grafen Leopold Josef von Lamberg und seiner Gemahlin der Gräfin Katharina Eleonora von Sprinzenstein mit der Jahrezahl 1690. Auch die Figuren beiderseits des Hochaltars zeigen das Grafenpaar, das nach dem Türkenkrieg von 1683 Schloß und Kapelle wieder aufgebaut und den Hochaltar errichtet hat. Oberhalb des Hochaltars befindet sich eine Statue des Hl. Nikolaus. Leopold Josef war von 1700 bis 1705 Gesandter in Rom. In dieser Zeit hat Katharina Eleonora den Wiederaufbau vollendet. Durch die Ansiedelung von Keramikern aus ihrer oberösterreichischen Heimat (Familie Wintersperger) und aus Mähren hat sie die durch den Türkenkrieg schwer verwüsteten Keramikwerkstätten in Wagram wieder in Schwung gebracht. Sie war nach Wentel Stuchs die zweite bedeutende Frau unserer Ortsgeschichte.

Nach dem zweiten Weltkrieg diente die Kapelle als Hühnerstall. Heinrich Jezek blieb es vorbehalten, Schloß und Kapelle vor dem endgültigen Verfall zu retten. Als die Gemeinde 1991 das Hauptgebäude erworben hat, war man zunächst der Meinung zusätzlich zur Restauration auch die Kapelle vermieten zu müssen. Bald erkannte man aber, daß der Schaden an diesem Kulturgut und an den Prunkräumen des 1. Stockes weit größer war als der Nutzen aus der Vermietung. Schließlich wurde die Renovierung der Kapelle durch die Gemeinde unter Mithilfe einiger uneigennütziger Helfer zu einem guten vorläufigen Abschluß gebracht. Besonders hervorzuheben ist die Mitwirkung von Frau Eva Bonfert, die nicht nur das Altarbild und ein Deckengemälde geschaffen hat, sondern auch eine elektronische Orgel spendete. Das Altarbild zeigt die Hochzeit Mariens.

Text: www.kottingbrunn.or.at

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E-Mail
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