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BERGFEX: Spurensuche in Peuerbach - Wanderung - Tour Oberösterreich

Wanderung

Spurensuche in Peuerbach

Wanderung
Karte
erstellt am 01.09.2010
1.922 Aufrufe
Tourdaten
3km
16hm
02:00h
375 - 398m
Distanz
Aufstieg
Dauer
Kurzbeschreibung

Interessanter Spaziergang auf den vielfältigen historischen und sternenkundlichen Spuren durch Peuerbach.

Bewertung
Technik
Kondition
Landschaft
Erlebnis
Ausgangspunkt

Schloss Peuerbach, direkt im Stadtzentrum. Hier befinden sich auch kostenlose Parkplätze.


Beschreibung

Herzlich Willkommen zur Spurensuche in Peuerbach! Es gibt viel zu entdecken in der Stadt der Sterne. Beginnen Sie Ihre Suche am besten am Rathausplatz, wo die meisten Fährten aufeinandertreffen. Ihre Rundreise wird ca. 2 Stunden dauern.
Der berühmte Astronom, Mathematiker und Humanist Georg Aunpekh von Peuerbach (1423 – 1461) machte die Stadt mit seinen herausragenden astronomischen Entdeckungen zur Sternenstadt. Auf seinen Pfaden entdecken Sie die sternenkundlichen Spuren Peuerbach.

Die kulturkundlichen Spuren Peuerbachs reichen lange zurück: durch Steinbeilfunde wissen wir, dass bereits in der Steinzeit Menschen durch diese Gegend gezogen sind. Peuerbach ist auch eine der ältesten Siedlungen zwischen Inn, Donau, Traun und Hausruck. Der Name geht vermutlich auf „Boierpah“, also „Bayerngau“ zurück.

Peuerbach spielte in den oberösterreichischen Bauernaufständen der Jahre 1595/97, 1626 und 1632 eine bedeutende Rolle. Die ereignisreiche Spurensuche führt über die Gemeindegrenzen hinaus an die Schauplätze dieser ereignisreichen Tage.

Peuerbach ist aber auch eine „sagenhafte“ Stadt: nehmen Sie sich Zeit, um an die Plätze der Sagen Peuerbachs zu spazieren: dort kann Sie der „Geist des Ortes“ entführen in längst vergangene Zeiten und Mysterien.

Am Rathaus sehen die das Wahrzeichen Peuerbachs, die Astrolabium-Uhr. Sie erinnert an den 1423 hier geborenen Georg von Peuerbach. Der herausragende Gelehrte war Astronom von Kaiser Friedrich III. Für ihn baute er neben zahlreichen anderen astronomischen Geräten das Original des hier im Verhältnis 1:15,625 vergrößerten Astrolabiums. Beide Messinstrumente bestehen aus vergoldetem Messing. Das eigentlich einteilige Visierlineal wurde hier zweigeteilt und zu Stunden- und Minutenzeiger umfunktioniert.
Ein Astrolabium ist ein höchst kompliziertes und vielseitig anwendbares astronomisches Mess-, Beobachtungs-, Rechen- und Demonstrationsgerät. Lange vor der Erfindung der Pendeluhr und des Fernrohrs benützte man Astrolabien zur Zeitmessung, Bestimmung von Gestirnshöhen und Simulierung von Planetenbahnen. Weiters dienten sie bei irdischen Objekten zur Winkel-, Entfernungs- und Höhenmessung.

Wenden Sie sich nun nach rechts zu einer weiteren sternenkundlichen Spur: An der Nordwand der Volksschule Peuerbach können Sie sehen, wie eine Sonnenfinsternis von drei verschiedenen Punkten der Erdoberfläche gesehen wird. Die Abbildung ist einem Werk Georgs von Peuerbach entnommen, in dem er seine neu entwickelte Planetentheorie darlegte: das 1454 abgeschlossene Buch war bis 1653 das Standardwerk für Planentenbewegungen. Ein weiteres her-ausragendes Werk Peuerbachs, die sogenannten Finster-nistafeln, retteten der Legende nach Christoph Columbus das Leben: Er konnte eine Mondesfinsternis vorhersagen, worauf hin ihn die Eingeborenen verschonten.

Gegenüber sehen Sie den KOMETOR. Das in Peuerbach ansässige Künstlerehepaar Billa und Manfred Hebenstreit hat hier die sternenkundlichen Spuren Georgs von Peuerbach aufgegriffen und in die Gegenwart überführt: so werden Kunst und Kosmos vereint. Der 20m hohe Dodekaeder – ein „platonischer Körper“ aus zwölf Fünfecken – galt in der Antike als Symbol für den Kosmos. Die 36 m hohe Kompassnadel spiegelt die von Georg von Peuerbach untersuchte „Missweisung“ der geografische wicht vom magnetischen Nordpol ab. Durch den unterirdischen Eingang gelangt man in die Wasserwelt mit Videoprojektionen über Wasser und Leben und steigt empor zum Sternendom mit Projektionen von Hebenstreit-Sternbildern sowie Fotos von Planeten und Galaxien. Spiegelflächen, Klänge und Lichteffekte zaubern ein raumsprengendes Kaleidoskop. Zu besichtigen 1. Mai – 7. Nov. 2010 täglich von 10 – 17 Uhr!

Gehen Sie nun an der Ostseite des Schlosses Peuer-bach am Rathausplatz entlang. Durch eines der schöns-ten Renaissanceportale Oberösterreichs betreten Sie den Innenhof, wo der Eingang zum Schlossmuseum liegt. Hier manifestieren sich in drei Ausstellungen kulturhistorische und sternenkundliche Spuren:
die Georg-von-Peuerbach-Ausstellung, das Bauern-kriegsmuseum und die Oberösterr. Landeskrippe. Seit neuem mit Audio-Guide!
Öffnungszeiten: 1. Mai bis 7. Nov. 2010 tägl. von 10 – 17 Uhr.
Das Schloss wurde 1371 von Graf Ulrich II. von Schaunberg erbaut, nachdem er die „Stat“ Peuerbach mit Mauern befestigt hatte. Der Brand, der vermutlich vom Gasthof „Zur Blauen Traube“ ausging, vernichtete 1571 die legendäre Bibliothek und Rüstkammer. Innerhalb der kurzen Zeit von nur drei Jahren wurde es von Gundacker von Starhemberg wieder errichtet, auch das von Säulenpaaren in Supraposition flankierte Renaissance-Portal aus 1574 wurde dabei geschaffen. Das Wappen der Grafen von Verdenberg stammt aus dem 17. Jh.
Die Inschrift lautet: „In manu Domini sortes nostrae. Datque adimitque Dei bonitas redditque vicissim, Cuius ad exemplum est haec renovata Domus. Voluntati cede divinae, justa sunt iudicia eius. Anno MDLXXIIII.“ „In der Hand Gottes liegt unser Schicksal. Die Güte Gottes gibt und nimmt und gibt wieder zurück. Dieses wiedererstellte Gebäude ist ein Beispiel dafür. Ergib dich dem göttlichen Willen, gerecht sind Seine Entscheidungen. Im Jahre 1574.“
1764 übernachtete Kaiser Franz I. mit seinen Söhnen Joseph und Leopold auf der Reise zur Kaiserwahl nach Frankfurt hier im Schloss. 1777 wurde der 40 m hohe Turm, 1831 wurden alle weiteren Teile des Schlosses bis auf den heutigen Rest abgetragen. Die Fassade stammt aus der Biedermeierzeit. 1881 erwarb das Gebäude die Marktkommune Peuerbach. 1923 war hier die Bürgerschule, bis 1966 die Hauptschule untergebracht. Heute befinden sich neben dem Schlossmuseum das Bezirksgericht und das Postamt. Der neu überdachte Schlosshof steht in Verbindung mit dem Veranstaltungszentrum.

Gegenüber dem Schlossportal sehen Sie die mächtige Kaisereiche: Sie wurde 1908 zum 60. Thronjubiläum von Kaiser Franz Josef gepflanzt.
Das Eckgebäude des Rathausplatzes unten rechts bietet heute Einkaufsvergnügen: „Treff.Mode“. In alten Zeiten lebte an dieser Stelle der Pfleger des Schlosses. Er trieb für die Herrschaften im Schloss die Abgaben ein, war ein Dienstadeliger. Von ihm hören Sie später noch.

Gehen Sie nun den Rathausplatz hinunter und biegen in die Hauptstraße nach links ein. Nach einigen Metern sehen Sie auf der gegenüber liegenden Seite das ehemalige Gasthaus „Zur blauen Traube“. Noch heute findet sich hier Gastlichkeit, eine „Café-Bar“. Dieses Haus ist ein authentisches spätgotisches Bürgerhaus mit vorkragendem Obergeschoss und zwei Runderkern. Von hier ging 1571 der Brand aus, der auch das benachbarte Schloss einäscherte. Der Besitzer floh deshalb vor der drohenden Verfolgung durch den Schlossbesitzer. Von 1838 bis 1879 war das Gasthaus Taverne der Schlossherrschaft.

Umrunden Sie das Gebäude, so kommen Sie in die dahinter einmündende Fleischergasse, dem ältesten Teil der Stadt. Hier befinden sich zahlreiche gotische Bauelemente und bemerkenswerte Schwibbögen. Schwibbögen sind Bögen mit oben geradem Abschluss, die zwei Häuser bzw. Häuserteile spreizen. Oft sind sie in engen mittelalterlichen Gassen zu finden und in seltenen Fällen, so wie hier, zu Räumen ausgebaut. Über dem Fenster des in der Fassadenfront zurückspringenden Erkers ist der typische sogenannte „Peuerbacher Bogen“ zu sehen.

Am Ende dieses Gässchens gelangen Sie auf den Kirchenplatz. Zu ihrer linken Seite sehen Sie ein weiteres original erhaltenes gotisches Haus, das heute die Volksbank beherbergt. Die Kaufladen-einrichtung des darin bis 1983 wirkenden legendären Krämers Spanlang befindet sich in einem Berliner Museum.

Blicken Sie nun auf die gegenüber liegende Seite nach oben, so sehen Sie die ehemalige Kaserne. Hier gibt es heute Köstlichkeiten der Fleisch-hauerei Peham; im Grundbuch wird das Gebäude aber „Kürschnerhaus“ genannt, da im 18. Jh. Kürschner ihr Gewerbe betrieben. 1640 wurde hier der Leutnant der im Dreißig-jährigen Krieg berüchtigten Lam-boischen Reiter einquartiert, 1732 – 1739 wurde das Haus als Durchzugskaserne benützt, um die anderen Bürger vor Soldaten-Einquartierungen zu schonen. Das Haus weist spätgotische Bausubstanz auf; ganz typisch für Peuerbach ist der auf Konsol-Arkaden ruhende Flacherker. Das Wappen stammt von einem Stich des Matthäus Merian aus der „Topographia Provinciarum Austriacarum“ von 1649. Da diese Form des Peuerbacher Wappens nur hier auftaucht, behaupten böse Zungen, der berühmte Kupferstecher und Verleger (der das wohl älteste und am ehesten authentische Ortsbild festgehalten hat) habe schlichtweg vergessen, das Wappen festzuhalten und im nachhinein eines erfunden.

Gehen Sie nun ans untere Ende des Kirchenplatzes: Hier prangt ein Haus mit Jugendstilfassade. Das Gebäude hat eine go-tische Innensubstanz – die Putzfassaden, Fach-werkgliederungen und Dachausbildungen im Ju-gendstil stammen vom Peuerbacher Baumeister Hans Doblmaier aus dem Jahr 1913.

Am Haus Kirchenplatz 11 gegenüber sehen Sie eine Sonnenuhr aus dem Jahr 1920. In dieser Zeit (von 1915 – 1934) befand sich in dem bis 1568 zurückverfolgbaren Gebäude eine Gemischtwarenhandlung. Die Geschäfte müssen gut gegangen sein, sonst hätte man sich der damals wirtschaftlich schlechten Zeit keinen solch eindrucksvollen Wandschmuck geleistet. Sonnenuhren sind die ältesten astronomischen Instrumente. Schon im Alten Ägypten, Rom, China und in Mesopotamien wurden sie verwendet und erfuhren in den Klöstern zur Be-stimmung der vorgeschriebenen Gebetszeiten eine Renaissance.
Georg von Peuerbach entwickelte transportable Klappsonnenuhren für unterwegs: durch den Einbau eines Kompasses konnten die Zeitmesser justiert werden. Beim Bau dürfte dem aufmerksamen As-tronomen das Phänomen der geografischen De-klination – also der Tatsache, dass geografischer und magnetischer Nordpol erheblich voneinander entfernt sind und die vom magnetischen Nordpol angezogene Magnetnadel nicht genau nach Norden zeigt – aufgefallen sein. Peuerbach zeichnete die Missweisung bei den Kompassen aller seiner Klapp-sonnenuhren ein, wodurch diese erst die erforderliche Präzision erhielten.

Am Kopf des Platzes finden Sie zwei Kirchen auf kleinsten Raum. Die Kleine Kirche oder Maria-Hilf-Kirche geht vermutlich auf eine Stiftung der Gräfin Barbara von Wallsee um 1500 zurück. Die Kirche blieb vom Brand im Bauernkrieg verschont; daran erinnert ein Nischenbild aus 1644 im In-neren der Kirche. Während der protes-tantischen Zeit 1525 – 1625 sollen hier die Katholiken ihre Religion ausgeübt haben. Die barocken Seitenaltar-bilder stammen von der damals hier ansässigen Malerfamilie Stainer, die modernen Glasfen-ster von Prof. Rudolf Kolbitsch

Die Pfarrkirche St. Martin hat das Patrozinium zum hl. Martin von Tours. Daraus lässt sich eine fränkische Missionierung ab dem 7. Jh. annehmen. 1211 wird die Pfarre Peuerbach erstmals urkundlich genannt. Im Merian-Stich von 1649 ist die gotische Kirche mit einem Wehrturm abgebildet. Nach dem Brand im Bauernkrieg 1626 wurde sie barockisiert, der Turm mit einem Zwiebelhelm ausgestattet und das Presbyterium vergrößert. Der Hochaltar stammt von Josef Linser aus Wilten bei Innsbruck, die Altarbilder von der hiesigen Malerfamilie Stainer, die Statuen teilweise aus der Schwanthaler Werkstatt. Gräfin Eleonora von Strattmann ließ 1711 an der Nordseite die Kreuzkapelle in Form einer barocken Rotunde als Begräbniskapelle für die Familie Strattmann errichten, vermutlich an Stelle der 1439 angebauten Erasmuskapelle, für welche es einen aus 1440 stammenden Ablassbrief gibt, die aber im Bauernkrieg wohl zerstört wurde. Die 1982 errichtete Rieger-Orgel ist mit einer früheren barocken Disposition ausgestattet.

Im Jahr 1426 war Tibolt Pachleitner Pfleger in Peuerbach. In erster Ehe war er mit einer Tochter Rudolfs des Schifers verheiratet. Seine zweite Frau hieß Margarete. Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, um 1430, ließ Margarete die Erasmus-Kapelle erbauen, die auch der hl. Maria Magdalena und dem hl. Wolfgang geweiht war.
Beim Betreten des Gotteshauses sehen Sie im Norden die 1711/12 im Auftrag von Gräfin Maria Josepha von Strattmann errichtete Kreuzkapelle in langelliptischer Form. Hier befand sich ehemals vermutlich die Erasmuskapelle. Warum baute die Witwe Margarete wohl eine ganze Kapelle? Für ein solch kostspieliges Unterfangen muss es schon schwerwiegende Gründe gegeben haben. Eine Peuerbacher Sage gibt uns die Antwort:
Nach dem Tod ihres Mannes wurde Margarete Pachleitner immer wieder von einem Traum gequält: Sie sah den Pfleger Tibolt Pachleitner zum Krankenbett seiner ersten Frau schleichen und dieser aus einem Fläschchen etwas in die Medizin träufeln – vielleicht Gift? Lange wusste Frau Margareta diesen Traum nicht recht zu deuten, beschloss jedoch, auf alle Fälle für das Seelenheil ihres Verblichenen in der Martinskirche inbrünstig zu beten - man konnte ja nie wissen. An einem trüben Tag im Allerseelenmonat ging die verunsicherte Frau wieder einmal noch zu später Stunde in die Kirche, um für Tibolt zu beten. Sie war so sehr ins Gebet vertieft, dass sie überhörte, wie der Küster die Kirchentüren abschloss. Nun war die beteifrige Witwe gezwungen, die Nacht in der Kirche zu verbringen, eine nicht gerade aufmunternde Situation. So beschloss Margareta, zunächst einmal ihre Gebete fortzusetzen. Dabei geschah es, dass sie eine dunkle, hohe Gestalt wahrnahm, von der vorher nichts zu sehen gewesen war. Schlürfenden Schrittes zog die Erscheinung durch das Kirchenschiff und näherte sich Margareta. Da erkannte sie plötzlich Gestalt und Gesicht ihres Mannes und erschrak. Mit flüsternder Stimme soll er ihr dabei den Giftmord aus Rache an seiner ersten Frau gestanden und geklagt haben, dass er im Grabe keine Ruhe finden könnte, bis dieses Verbrechen nicht gesühnt sei. Margareta möge doch an der Pfarrkirche noch eine Kapelle zu Ehren des hl. Erasmus errichten lassen.
Schon am nächsten Morgen soll Margareta Pfarrer Dr. Barucher über ihr unheimliches Erlebnis berichtet haben, der ihr geraten haben dürfte, dem Wunsche des Toten zu entsprechen.
Als nun das Kirchlein samt seiner Gruft fertig war und die Arbeiter den Sarg des Pflegers aus seinem bisherigen Grabe hoben, um ihn zu übertragen, kam er ihnen merkwürdig leicht vor. Man öffnete ihn daher und fand darin wohl die Kleider des Pflegers, aber keine Spur von seiner Leiche. Daraus schlossen die Leute, dass er trotz der Stiftung der Kapelle vom Teufel geholt worden sei.

Folgen Sie nun den Spuren der Urtln. Drehen Sie der St. Martinskirche den Rücken zu und biegen Sie in die Gasse zur alten Volksschule. Aus dem Granitgrander am Eckhaus sprudelt ebenfalls Urtlwasser. Gehen Sie bis zum Gasthaus Urtlhof, der – natürlich- ebenfalls sein eigenes Urtl-Becken hat. Wenden Sie sich hier nach links. Gleich an der ersten Station finden Sie einen kleinen Platz zum Verweilen mit der Findlingsskulptur des „Gebückten“, über die sich das Wasser der Gerechtigkeitswaage ergießt, und ein Becken mit Urtlwasser, flankiert von zwei Granitpfeilern. Auf einem Schild können Sie die Urtl-Sage in Balladenform und die Erklärung zu ihrer künstlerischen Umsetzung hier auf dem Platz nachlesen.

Die Urtlsage erzählt von einem ungleichen Brüderpaar, einem hübschen Mädchen und von ausgleichender Gerechtigkeit.
Einer der beiden Brüder war ein schmucker Bursche; der andere missgestaltet und buckelig, aber weitgereist, wohlhabend und gelehrt. Das hübsche Mädchen war die Braut des Buckeligen. Vor der Hochzeit wollte er ausziehen, um die Schulden einzutreiben, die er weitum offen hatte und seiner Frau ein angenehmes Leben ermöglichen. So zog er also los, nach einem Jahr wollte er wieder zurück sein.
Inzwischen tröstete der daheim gebliebene Bruder die einsame Braut. Zwei Jahre und mehr vergingen, der Buckelige war immer noch nicht wieder gekommen. Beide glaubten nicht mehr an seine Rückkehr und heirateten.
Kurz darauf erschien der Vermisste und sah den an ihm begangenen Verrat. In seiner Wut erstach der Bucklige seinen schönen Bruder. Seine Bluttat sollte mit dem Tod bestraft werden. Um sich zu retten, versprach er der unter großer Wassernot leidenden Bevölkerung Abhilfe: Wenn sein Urteil aufgehoben würde, werde er sie zu einer nie versiegenden Quelle führen. Und so war es auch: an der vom Buckeligen bezeigten Stelle wurde gegraben und das Wasser in drei Becken gefasst. Bis heute sprudelt es kühl und frisch.
Und wer von dem Wasser trinkt, so berichtet die Sage, komme nicht mehr los von der Stadt Peuerbach.
Die Sage erzählt uns also, dass sich „Urtl“ von „Urteil“ ableitet, nämlich dem abgewendeten Todesurteil des Buckeligen.

Nach diesem Abstecher kehren Sie bitte wieder zur Kirche zurück und umrunden Sie diese auf der Ihnen zur rechten liegenden Ostseite. Hier können Sie die Reste der Ringmauer sehen, die Peuerbach seit ihrer Errichtung 1366 wie eine Stadtmauer beschützte. Obwohl von einer Stadt-erhebung nichts bekannt ist, wird Peuerbach von 1366 bis 1386 in Urkunden stets als Stadt bezeichnet, in Büchern und Landkarten noch viel länger.

Die Legende berichtet, der Habsburger Erzherzog Albrecht III. habe Peuerbach als Bestrafung „degradiert“: die Bewohner hielten nämlich während der „Schaunberger Fehde“ zu ihren unmittelbaren Fürsten, den Schaunbergern, - nicht zu Albrecht, der die Stadt einnehmen wollte. Bis 1994 musste Peuerbach warten, um wieder Stadt zu werden.

In dem jetzigen Garten befand sich der Friedhof, der aber schon 1612 bis 1614 an seinen heutigen Platz verlegt wurde. Schlüpfen Sie nun durch die kleine Pforte in der Ringmauer und überqueren Sie die kleine Brücke über den Ledererbach. Wenden Sie sich nun nach links: Sie sehen eine unscheinbare Granitsäule stehen. Erinnerung an die Gerichtspraktiken des 16. Jd: der Pranger. Er war ursprünglich 1571 vor dem Pflegerhaus aufgestellt gewesen. Gehen Sie nun die Christoph-Zeller-Straße nach rechts entlang, auf den Spuren des Bauernkrieges.
Christoph Zeller war ab etwa 1606 in Haibach ob der Donau und ab etwa 1625 in Sankt Agatha Gastwirt. Von 1603 bis 1606 soll er Soldat gewesen sein. Zusammen mit seinem Schwager Stefan Fadinger plante er einen Aufstand für den 31. Mai 1626, eine Rauferei mit bayrischen Besatzungssoldaten in Lembach im Mühlkreis löste aber bereits am 17. Mai die Rebellion aus. Die Bauern besetzten Burgen und Märkte, auch Peuerbach. Statthalter Herberstorff machte sich auf den Weg dorthin. Unterwegs kam es am 21. Mai 1626 unter der Leitung Zellers zur Schlacht auf der Ledererwiese. Die Streitmacht konnte von den Bauern fast vollständig aufgerieben werden. Zeller wurde zum Oberhauptmann der Bauern im Mühl- und Machlandviertel gewählt. Bei der anschließenden Belagerung von Linz befehligte er zwei Monate die Bauern am linken Donauufer. Als Herberstorff bayerische Verstärkung erhielt, wurde Zeller am 18. Juli 1626 von einem Herzschuss getötet. Gemeinsam mit Stefan Fadinger wurde er zuerst am Friedhof in Eferding bestattet und nach der Niederlage der Bauern Ende 1626 am 2. Mai 1627 im Seebacher Moos bei Eferding verscharrt. Nach Zellers Tod konnten die Aufständischen keine wesentlichen Erfolge mehr erringen.

Halten Sie sich wiederum rechts, gelangen Sie in die Stefan-Fadinger-Straße.

Stefan Fadinger wurde um 1585 in Parz, heute bei Sankt Agatha, geboren und war Bauer und Hutmacher. Am 22. Mai wurde der charismatische Anführer, der ebenfalls nur kurz Erfahrung als Soldat gesammelt hatte, von den Bauern zum Oberhauptmann des Traun- und Hausruckviertels gewählt. Er sammelte die einzelnen Bauerngruppen und konnte in relativ kurzer Zeit Eferding, Wels, Kremsmünster und Steyr besetzten. Fadinger wurde am 28. Juni 1626 auf einem Erkundigungsritt vor den Befestigungen der Stadt Linz durch einen Schenkelschuss schwer verwundet und starb am 5. Juli in Ebelsberg an Wundbrand. Sein Nachfolger als Bauernführer wurde Christoph Zeller.
Wenn Sie Lust einen etwas weiteren Spaziergang haben, biegen Sie nun links ein in den Ledererweg. Ansonsten wenden Sie sich nach rechts in die Hauptstraße. Jener nette Pfad führt am Ledererbach entlang in die Ledererwiese mit den beiden Bauernkriegsdenkmälern und dem Astroweg. Auf Tafeln wird über Georg-von-Peuerbach, das Sonnensystem und die Sternbilder der Astrologie informiert.
Die Planeten unseres Sonnensystems werden dabei jeweils in ihrem Größenverhältnis zur Erde abgebildet; ihre Tafeln stehen in den relativen Abständen ihrer wirklichen Distanz zur Sonne. Ein großes Planetarium zeigt die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der einzelnen Planeten; man kann es mit einer Kurbel bewegen. Auf einer überdimensionalen Sternenkarte lässt sich der für die jeweilige Nacht und die jeweilige Uhrzeit hier sichtbare Ausschnitt des Sternenfirmaments einstellen und die leuchtenden Sternbilder erkennen. Da der Vergleich ja nur bei Nacht möglich ist, ist die Sternenkarte beleuchtet. Die Beleuchtung ist durch einen Taster einschaltbar und schaltet sich von selbst aus. Die Energie erhält diese Beleuchtung solar.

Mit unzähligen Bänken lädt die Gemeinde Bruck-Waasen zu einer Rast ein; am Ufer können die jüngsten Spurensucher spielen. Nach etwa einer viertel Stunde gemütlichen Spazierens folgen Sie dem Hinweisschild und wenden sich links hinauf. Wiederum links finden Sie das erste Bauernkriegsdenkmal, weiter oben rechts das zweite. Beide liegen im Ortsbereich von Nußbaum, Gemeinde Bruck-Waasen.

Eine Steinpyramide, von einem Morgenstern bekrönt, erinnert an die damaligen Ereignisse. Aufgerichtet wurde sie von Baumeister Hans Doblmaier. „21. May 1626. Es muaß seyn!“ steht dort zu lesen.
Der Morgenstern, eine mit Eisenspitzen bewehrte Kugel, meist aus Eisen oder Holz, hier aus Granit, war, mit einem Stiel versehen, vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit weit verbreitete Waffe und ist zum Symbol für die Bauernaufstände geworden. Die Bauern, die über keine Waffen verfügten, schmiedeten ihr Arbeitsgerät um: Dreschflegel wurden mit Eisen beschlagen, Sensen mit gerade gerichteter Schneide wurden wie Mist- und Heugabeln zu Stichwaffen. Das Material Granit als heimischen Stein zeugt von der Heimatverbundenheit.
Der Wahlspruch „Es muaß seyn!“ drückt die verzweifelte Lage der Bauern und die moralische Verpflichtung gegenüber ihrer Religion aus.

Ein runder Platz mit Sitzbank lädt zum Verweilen ein. Auf einer Schautafel werden die damaligen Kampfhandlungen und Stellungen erklärt. Ein weiterer Gedenkstein von Baumeister Hans Doblmaier erinnert an die beiden mutigen, aber strategisch nicht ausgebildeten Anführer und ihren Tod: „Stöfel Fadinger + 5. Juli 1626, Christof Zeller + 18. Juli 1626“.
Gehen Sie nun wieder zum Ledererweg hinunter und folgen Sie ihm weiter. Für die Jüngsten finden sich im weiteren Verlauf ein Balancier-Krokodil und eine Rutsch-Ente. Am Ende des Pfades wenden Sie sich nach rechts in die Bahnhofstraße, weiter über die Hauptstraße bis zurück zum Rathausplatz. Am Weg sehen sie noch einige interessante historische Gebäude, die auf ihren Bürgerhaustafeln noch mehr von ihrer teils bewegten Geschichte erzählen.

Sie gelangen wiederum in die Hauptstraße. Gegenüber sehen sie die „Uralte Hoftaverne“. Mit ihrem spätgotischen Baukern, dem Flacherker auf Konsolen, den renaissancezeitlichen Arkaden im Hof – gestützt von toskanischen Granitsäulen - zeigt sie sich in einer klassizistischen Fassade aus Josephinischer Zeit (Kaiser Joseph II.: 1780 – 1790). Vom 16. Jh. bis 2000 war hier durchgehend ein Gasthaus geöffnet.

Auf dieser Straßenseite, Hauptstraße 6, sehen Sie das Gasthaus „Zum Grünen Baum“, erkennbar am Zunftzeichen. Die „Gastgebergerechtigkeit“ wird hier schon seit 1684 bis heute ausgeübt. Das Gebäude ist in seiner ursprünglichen gotischen Form erhalten und weist die typischen Flach- und Runderker auf Konsolen auf.

Text: Reg. Rat. August Falkner und Mag. Cornelia Schlosser. Fotos und lay out: Cornelia Schlosser; Bilder: Martin Manigatterer, Pia Odorizzi und Mag. Billa Hebenstreit; Friedrich Bartl, Pfarre Peuerbach, Maringer, Cornelia Schlosser. Mitarbeit: Hubert Haslehner. Literatur: Falkner, August: Peuerbach. Die Stadt, Peuerbach 1995. Knell, Heiner u. Sperlich, Hans-Günther (Hrsg.): DBG Kunstlexikon, Berlin, Darmstadt, Wien 1967. Knoglinger, Walter: Romantisches Peuerbach, Peuerbach 1981. Samhaber, Friedrich: Der Kaiser und sein Astronom, Raab 1999. Samhaber, Friedrich: Höhepunkte mittelalterlicher Astronomie, Peuerbach 2000. Samhaber, Friedrich: Astrolabium-Uhr auf dem Peuerbacher Rathaus, Raab 2003.
Willibald, Alois: Häuserchronik, Handschrift 1916, Stadtpfarrarchiv Peuerbach. www.kometor.at

Höchster Punkt
398 m

Rast/Einkehr

Die Wirte im Zentrum Peuerbachs. Passend zur Urtlsage können Sie im Urtlhof einkehren: Urtlgasse 5. Tel: 07276-2076, Mo. u. Di. Ruhetag.

Kartenmaterial

Die Broschüre "Spurensuche in Peuerbach" ist kostenlos zu beziehen über das Stadtamt Peuerbach, Rathausplatz 1, 4722 Peuerbach. Tel.: 07276-2255. E mail: stadt@peuerbach.ooe.gv.at


Anreise

Mit dem Auto:
Aus allen Richtungen über die A8-Innkreisautobahn bis Abfahrt Meggenhofen/Gallspach. Weiter bis Grieskirchen – auf der B137 Richtung Schärding bis zur Abfahrt Peuerbach. (10km – beschildert)

Über die B 129 (Eferdinger Bundesstraße) – auf halben Weg zwischen Eferding und Schärding bzw. Linz und Passau liegt Peuerbach.

Über die B 131 (Nibelungen-Bundesstraße Passau-Linz): bei Wesenufer Richtung Peuerbach abbiegen (beschildert.)

Per Bahn:
(per OBB bis Linz(Hbf.). Mit der Lilo (Linzer Lokalbahn) bis Peuerbach (Endstation).
Per ÖBB aus Richtung Wels/Passau Richtung Wels/Passau via Neumarkt/Kallham und dann mit der LILO.

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